Lieber Herr Gigold,
da sie
öffentlich antworten
möchten, will ich auch gleich öffentlich kritisieren. Das sollte
schnell von der Hand gehen. Viel Kritik wird es nämlich nicht. Ich
bin mir nicht sicher ob ich zu den zwei Personen gezählt werde,
welche den Webmontag
nicht gut fanden.
Falls ich für mich sprechen darf: Mir persönlich hat der Webmontag
am 29.03.2010 sehr gut gefallen.
Dennoch konnte ich es mir nicht verkneifen,
meinen Unmut über
einen - direkt nach dem Django-Talk
von Markus - eingeschobenen Block kund
zu tun. Vielleicht hätten sich zarte Gemüter anderer Worte bedient,
aber in diesem Moment war das meine ehrliche Antwort auf die
Twitter-Frage: »What’s happening?«.
Es wurde ein
trashiges Fahrkarten-Video abgespielt,
welches bereits seit mehreren Tagen durch Twitter kreiselte.
Anschließend wurde der neue Internetauftritt der
Stadt Taucha gezeigt. Beides
wurde unsachlich und unkommentiert verlacht - und von Ihnen mit dem
Vermerk versehen, dass die betreffenden Stellen sich doch einfach
»an eine Leipziger Agentur hätten wenden sollen«. Vermutlich, um
dort ihr mediales Seelenheil zu finden.
Ich komme leider nicht aus der Zielgruppe - interessiere mich daher
weder für nordsächsische Kleinstädte, noch für öffentliche
Verkehrsmittel und ihre Bezahlverfahren. Wenn aber, wie das beim
Webmontag der Fall war, im gleichen Atemzug (4 Browsertabs) erst
Stimmung gegen andere Projekte gemacht wird - um dann im nächsten
Schritt das eigene Produkt
»Leipzig verbindet« vorzustellen
- dann sehe ich meine Kritik daran gerechtfertigt.
Meinen Metadaten zu Folge, sollte mich dieses Projekt durchaus
ansprechen:
Ich arbeite in Leipzig. Und - jawohl - ich arbeite im und für
das Web.
Dennoch kann ich sehr wenig mit diesem parteipolitischen Wir-Ton
anfangen, der oft bei Veranstaltungen wie dem Webmontag aufkommt
und mit dem auch Portale wie das Ihrige hausieren gehen. Ich
vermute, damit spreche ich nicht nur für mich selbst. Es gibt
unzählige kleine Initiativen wie das sublab,
den Freifunkern, oder dem
chaostreff - die keinen Fürsprecher
benötigen, aber von mir sehr wohl zur Webszene LE hinzugezählt
werden. Auch - und gerade weil sie keine Internet-Auftritte
herstellen. Sie bleiben einfach unter dem Radar - und fühlen sich
dort wohl.
Herr Gigold, ich glaube wir kommen auf keinen grünen Zweig. Ihr
Zwischenname ist »medien« - und diese beherrschen sie sehr gut. Ich
komme aus einer anderen Welt, bin aber interessiert an Themen,
welche die Leipziger Medienszene beschäftigen. Deshalb bin ich zum
Webmontag gegangen. Nun ist für mich ein Tweet mit
Webmontag-Hashtag eine adäquate Form, meine Kritik zu äußern. Diese
Ansicht teilten wohl auch nicht alle Webmontag-User. Auch damit
kann ich leben. Deshalb gibt es diesen Blogpost.
Ich freue mich auf Ihre Antwort (und auf den nächsten Webmontag).
Viele Grüße,
Sebastian Schulze